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Sachsen-anhaltinischer Adel im 16. SäkulumGentilhommeske Ausformungen ständischer Lebenslagen wie Lebenswelten im MittelelberaumDer sächsische Adel ist in den letzten Jahren eine der produktivsten Felder für Forschungsgegenstände der Bundesrepublik Deutschland geworden, versehen mit hohem Ausstoß an Publikationen und Forschungsergebnissen. [1] Auch der jüngst im April 2026 erschienene Band der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt gehört dazu und hat den bereits vergleichsweise mit anderen Ländern guten Forschungsstand weiter ausdifferenziert. Christian Philipsen, Eike Henning Michl, Katrin Tille und Michael Belitz, sämtlich Zugehörige der benannten Kulturstiftung, bisher in der Adelsforschung nicht erkennbar als Autoren hervorgetreten, [2] fungierten dabei als Herausgeber eines Sammelbandes. Dessen Titel lautet „Gestalten, Kämpfen, Vermitteln. Facetten niederadligen Lebens im 16. Jahrhundert in Mitteldeutschland“, erschienen ist er im Regensburger Verlag Schnell und Steiner im April 2026, umfaßt 232 Seiten bei einem Format von 12 x 29,7 cm, ist in Klappenbroschur fadengeheftet und kostet im virtuellen wie analogen Buchhandel unter der ISBN „978-3-7954-9120-8“ 29,95 €uro. Entstanden ist der Sammelband durch die Vorträge der Tagung zum 460. Jahrestag des Erwerbs der Herrschaft Leitzkau durch Hilmar von Münchhausen. Entsprechend wurde Leitzkau in Gommern im Kreis Jerichower Land auch als Titelbild gewählt. Die Liegenschaft darf als eine bemerkenswerte Hybridisierung aus sakraler wie profaner Architektur und ein beeindruckendes Renaissance-Ensemble mit romanischer Stiftskirche des ehemaligen Klosterguts gelten. Die zugehörige Tagung widmete sich den myrioramatischen Facetten niederadeligen Lebens des 16. Jahrhundert. Diese sind in dem Sammelbande unter dem Motto des Gestaltens, des Kämpfens und des Vermittelns zusammengefaßt worden, mithin hier als typisch für den sachsen-anhaltinischen Adel wahrgenommenen Tätigkeitsbereichen im Zeitalter der Renaissance. Ausgehend von den „Objekten“ (innovativer wäre gewesen: „Sobjekten“ oder Aktanten) [3] der Berufsbeschäftigung der sachsen-anhaltinischen Kulturstiftung, den von ihr verwalteten rund 20 Herrensitzen, Bauten und Schlössern, entstand mit einer zweitägigen Konferenz vom April 2024 in Magdeburg, deren Ergebnisse durch den Sammelband nun verschriftlicht vorgelegt worden sind, die Neigung, hier nähere Erforschungen der Häuser in die Wege leiten zu wollen, exemplarisch aufgefächert an den drei Profanbauten und Herrensitzen in Leitzkau, Goseck und Falkenstein sowie den beiden Sakralbauten der Dome in Magdeburg und Halberstadt. Bei allen fünf Architekturen handelt es sich um je ausstattungsreiche Großaktanten, die in räumlich konzentrierter Form noch viele Kleinaktanten aus der Erzeugung von Adel beinhalten, von der Kulturstiftung als Kulturerbe erhalten, vor Zersplitterung bewahrt, in Netzwerken festgehalten, aber auch restauriert und teils für die Öffentlichkeit in Ausstellungen oder als Gesamtkunstwerk (wie im Magdeburger Dom) präsentiert werden. Der Sammelband changiert dann auch in seinen schrift- und bildlichen Erkundungsgängen mehrfach zwischen lokal bedeutsamen und regional aussagekräftigen Erkenntnissen. Inwieweit jedoch diese Erkenntnisse verallgemeinert werden können, müssen erst weitere Forschungen erbringen. Die von den Herausgebenden gewählte Dreiheit „Gestalten, Kämpfen, Vermitteln“ wird im Sammelband indes verstanden als Set aus Kernelementen des adeligen Daseins im Sinne eines Gestaltens von Herrschaftsverhältnissen inklusive der Erzeugung einer Repräsentation in Kunst und Architektur als nobilitärer Ausdrucksform, dem Kampf um Selbstbehauptung, sozialer Verortung und in kriegsähnlichen Konflikten, schließlich der Vermittlung von Interessen in Diplomatie, aber auch innerfamiliären Netzwerken. Diese Handlungsfelder werden so fokussiert, daß anscheinend allein Menschen als Handelnde erachtet werden, wie die Bemerkung über Architektur als „Ausdrucksform“ (nicht als handlungsbeeinflussender und -hervorbringender Aktant) nahelegt. Diese Perspektive ist nicht ganz unwichtig, da dies bedeutet, daß Dinge hier noch als bloße Beiwerke ohne Agency dargestellt und verstanden werden. Sieht man von dieser Vorabfestlegung ab, wird in einer Einleitung behauptet, die Forschung zum Adel des 16. Jahrhunderts habe derzeit Konjunktur (Seite 7); belegt wird diese These indes leider nicht und nur indirekt angerissen (Seite 30-31 in Fußnote 13). [4] Eine Problematik indes ist die der Definition von Adel (Seite 15), wie sie leider ausgehend allein monodisziplinär von der Historiographie gedacht worden ist, obwohl der Adel an sich bereits ein performatives und soziologisches Phänomen ist; gemäß dieser scheuklappenartigen Perspektive würde Adel verstanden als „Führungsschicht“, dessen „markantestes Erkennungsmerkmal“ der „Anspruch auf Herkunft“ gewesen sei (Seite 15). Im Gegensatz dazu wurde dann aber an gleicher Stelle ein sehr wichtiger Unterschied eingeführt, daß nämlich Adel, ganz nach dem Bonmot von Heine mit dem Teufel, nur dann existieren könne, wenn man an ihn glaube. [5] Damit kommen auch andere Aktanten als nur die Adeligen selbst für die Erzeugung von Adel in den Fokus. Auch wird zugegeben, daß Adel kontinuierlich durch standesgemäße Lebensführung erneuert werden mußte (Seite 17). Dieser an sich innovative Ansatz wird dann jedoch leider nicht weiter verfolgt, sondern es folgen Ausführungen zur Adelstugend und zum christlichen Bekenntnis von Adeligen. Wie starr, unflexibel, stabil und formgetreu der Adel gewesen sei, wird dann auch wieder leider bei der Behauptung deutlich, Tugend sei bei Nichtadeligen eine „semipermeable Membran“ gewesen, durch die Nichtadelige in die Sozialformation des Adels hätten aufsteigen können (Seite 16). Diese These der Abschließung und der Anspruch auf die Inhaberschaft der angeblichen Fähigkeit, immer zwischen Adel und Nichtadel unterscheiden zu können, ist nicht die beste Voraussetzung zur Erforschung von Adel, eher eine schlechte, da rückwärtsgewandt, da es sich dabei um eine Selbsterzählungen des Adels perpetuierende forscherische Pfadabhängigkeitsverfolgung handelt. Eine weitere Verirrung stellt dann die stark vereinfachende These dar, daß die „Schwarmintelligenz der sozialen Gruppe“, als würde es sich um keine Gruppenbildung, sondern eine mit festen Grenzen agierende Gruppe handeln, [6] darüber entschieden habe, „wer dazugehörte und wer nicht“ (Seite 18). Andererseits wird dann aber wiederum gegenteilig zugegeben und treffend gekennzeichnet, daß „wir“ der Lebenswelt des ländlichen Raumes (gemeint war hier in der Tat Lebenswelt, denn sonst würde man mit der Lebenslage nur die Lebensverhältnisse betrachten) [7] „oft vorschnell Attribute wie Statik oder Unberührtheit zuschreiben“ (Seite 29); [8] dies hat sich indes leider teils auch auf die Adelsbetrachtung übertragen. [9] Läßt man diese diffuse und widersprüchliche Auffassung von Adel einmal beiseite, liest die Beiträge gegen den Strich, so kann man trotzdem die Aufsätze mit Gewinn studieren. Gewinnreich zu erwähnen ist beispielsweise die wiederholte Bemühung, die Lebenswelt der Untersuchten verstehen zu wollen und daher zu konstatieren, daß Adelige nicht zur Verschwendungssucht neigten, sondern sich Zwängen der Selbstdarstellung unterwarfen und daher Geld für „unpraktische“ Dinge der „Repräsentation“ (Aktanten zur Adelserzeugung) ausgaben (Seite 16). [10] Innovativ ist auch die Beantwortung der Frage, weshalb der Niederadel gerade im Mittelelberaum in der Frühneuzeit eine so prägende Rolle gespielt habe; zurückgeführt wird dies auf landesherrliche Schwäche, Mehrfachvasallitäten und dadurch eine Aufspaltung der Loyalitäten sowie für die Rittergüter einer guten Agrarkonjunktur, entsprechenden Einnahmen und daraus auch folgenden Ausgaben, beispielsweise zu Schloß(um)bauten (Seite 18). Wiederum weniger ertragreich ist dann aber die Bemerkung, aktuell sei die Zeit für Adelsforschung in den neuen Bundesländern „günstig wie lange nicht“, denn die Forschung habe den Adel aus der „Rumpelkammer der Geschichte“ geholt, diskutiere das „Obenbleiben“ statt die sozialistische Verdammung (Seite 28). Allerdings bleibt hier die Frage offen, was als „aktuell“ bewertet werden solle. Der „Obenbleiben“-Aufsatz erschien bereits 1990. [11] Wirklich aktuell aber ist abschließend ein im Werk angerissenes Public-History-Projekt mit Bürger:innenbeteiligung als „Citizen science“ zu „Lost Places“ in Sachsen-Anhalt, wobei hier anscheinend auch wieder ehemalige Herrensitze, die heute verlassen sind, in die Betrachtung vorrücken sollen (Seite 29). [12] Hervorzuheben ist aus der Fülle der insgesamt zehn Beiträge hinferner ein Aufsatz über Jahresrechnungen eines Rittergutes am Beispiel des Herrschaftsgebietes Falkenstein-Maisdorf der Herrn v.der Asseburg von 1584/85, im Original liegend und überliefert im sachsen-anhaltinischen Landesarchiv zu Magdeburg. Hier werden neben Faksimiles der Rechnungen auch eine Zusammenfassung der Einnahmen und Ausgaben, gegliedert nach Sachbereichen, präsentiert. Demnach kamen die meisten Einnahmen aus Holzwirtschaft, Brauerei und Bierverkauf sowie aus Geldern aus Verträgen zusammen, während Vieh- und Landwirtschaft nur minder bedeutende Beträge hereinkommen ließen (Seite 117). Auf der Ausgabenseite dagegen dominierten deutlich Zahlungen an Familienangehörige und für die Schuldentilgung, die Brauerei, Bauausgaben und Bedientenlohn folgten in sehr viel geringer Höhe (Seite 117). Die Adelsfamilie folgte hier einer vielfach vormodernen Subsistenzwirtschaft zum Eigengebrauch, folgte weniger der Logik der Wohlstandvermehrung durch Verkauf nach außen (Seite 116). Auch wenn sich diese Rechnung nicht verallgemeinern läßt und auch mit der spezifischen Gutsökonomie der Asseburger in Falkenstein konnotiert war, so ist doch erstaunlich, daß es nicht die Landwirtschaft war, die aus den doch insgesamt 380 Morgen Grundbesitz (Seite 113) Geld erbrachte. Verdienstvoll ist es, mit dem Beitrag wieder einmal mehr Aufmerksamkeit auf die Quellengattung der archivalischen Gutsrechnungen zu lenken, die vielfach auch bereits online digital zugänglich gemacht worden sind, [13] lassen sich dadurch doch erhebliche Auskünfte zu sonst, an anderer Stelle, wenig bis gar nicht überlieferten Sachverhalten, z.B. dem adeligen Speiseplan (Seite 120-121), gewinnen. Zu Recht wird denn auch am Ende des entsprechenden Aufsatzes auf die „Bedeutung von Gutsrechnungen für das Verständnis niederadliger Lebenswelten“ hingewiesen (Seite 123). Ein nur kleines Manko ist es, hier von „Lebenswelten“ (Seite 123) statt Lebenslagen zu sprechen, denn gemeint war das Letztere (siehe oben). Bedeutsam über den Einzelfall hinaus ist auch die Vorstellung der literarischen Quellengattung der sich an paternalistischen Idealen hausväterlich orientierten Hausordnungen auf adeligen Herrensitzen, hier am Beispiel der Ordnung des Hilmar v.Münchhausen auf Leitzkau aus dem Jahre 1572 (Seite 47-58) erläutert und aufgezeigt. Besonders originell ist auch ein Aufsatz über einige kleine, oft sonst übersehbare Kleinode, die Bildnisbüsten von Münchhausen´schen Familienmitgliedern mit Einzelporträts an der Stuckdecke des Schlosses Leitzkau im Münchhausensaal (Seite 65-66), eine abweichende plastischere Memoria-Strategie zu den sonst vor allem in Öl auf Leinwand gehaltenen Ahnengalerien. [14] Daneben finden sich auch ausgesprochen lokal orientiere Aufsätze wie ein ausführlicher Artikel zur Bau- und Besitzergeschichte des Schlosses Goseck in der Gemeinde Unstruttal im Burgelandkreis (Seite 126-172). An anderer Stelle findet sich ein regional wieder ausgreifender Beitrag, der sich allgemein mit Besitzwahrungs- und -vermehrungsstrategien mitteldeutscher Adelsfamilien im 16. Jahrhundert beschäftigt, gewonnen aus einer außerhalb der Tagung liegenden jahrelangen detailreichen Befassung mit der frühneuzeitlichen Geschichte mehrerer sächsischer Adelsfamilien (Seit 173-183). Zu diesen Strategien gehörten der Erwerb alter Burgen als symbolisches Kapital (nach Bourdieu), [15] aber auch die Erreichung von Familienkassen und -stiftungen zur Unterstützung von Familienangehörigen in deren Ausbildungsphasen. Kurios indes mutet im Abspann zu diesem Aufsatz eine Forderung an, man möge in der Adelsforschung künftig keine Biographien mehr erforschen, sondern nur noch Geschlechter (Seite 183). Der Sinn hinter diesem Plädoyer war es zwar, generationsübergreifende Muster und deren Nachhaltigkeit besser erkennen zu können, wie sie in dem Aufsatz auch sehr gut herausgearbeitet worden sind, allein kann ein solches Plädoyer nicht Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes aufheben, nach dem gilt, daß „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre“ frei seien und keinen Regelungen (außer der Verfassungstreue) unterliegen würden. [16] Man darf daher auch künftighin Biographien einzelner Adeliger schreiben, muß sich diesbezüglich nicht einschränken lassen. [17] Innovativ ist ferner ein Aufsatz über adelige Amtleute, mithin herzogliche Beamte, und deren Gewaltaktionen (Seite 187-201), sie werden deswegen auch wohl treffend als „Gewaltakteure“ bezeichnet, wozu auch als Dingaktanten auch Armbrüste gehörten (Seite 188). Im Übergang vom Spätmittelalter zur Frühneuzeit liegen hier drei bemerkenswerte Beispiele hybridisierter Ritualgewalt aus den Jahren 1504, 1508 und 1511 vor, zwischen Fehde und Amtsgewalt stehend, sie können als „feindselige Vertrautheit“ bezeichnet werden (Seite 197). Alliierte und Feinde wechselten bisweilen oft die sozialen Rollen (Seite 197), zumal sie auf engem Raum lebten, einander meist kannten, ohne daß der Landesherr in diese Fehdehandlungen eingriff (Seite 197). Erstaunen mag es, so erfährt man zuletzt aus einem weiteren Aufsatz über den Adel in den beiden Domkapiteln von Magdeburg und Halberstadt, daß die Erstellung einer vollständigen Liste der Kapitulare noch aussteht (Seite 212). Insgesamt bietet der großformatige Band in gediegener Ausstattung mit vielen Farbbildern, Zeichnungen, Karten und Faksimiles ein beeindruckendes Kaleidoskop und hat die eingangs gemachte Bemerkung, der Adel Sachsens sei derzeit eine der am besten erforschten Adelslandschaften, zur Recht weiter verfestigt. Diese Rezension erscheint auch gedruckt in der Zeitschrift für deutsche Adelsforschung und stammt von Dr. Dr. Claus Heinrich Bill (c) erstellt im Juli 2026. Zu den Annotationen: 1 = Siehe dazu den reichhaltig befüllten Abschnitt namens „Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen“ bei Claus Heinrich Bill: Neue Adels-Bibliographie. Verzeichnis von Monographien, Sammelbänden, Aufsätzen und Zeitungsartikeln des Erscheinungszeitraums ab 1475 bis heute zum Adel in den deutschsprachigen Ländern, Sonderburg 2026, Seite 1837-1944 (gemäß tagesaktueller Version vom 29. Juli 2026). 2 = Einige aber als Herausgeber mit weiteren Adelskontexten wie beispielsweise bei Jan Scheunemann: Die Moritzburg in Halle (Saale) als Zentraldepot für Kunst- und Kulturgut aus der Bodenreform. Ergebnisse eines Forschungsprojektes zum Kulturgutentzug in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR mit einem Beitrag von Andrea Himpel, in: Christian Philipsen / Eike Michl (Hg.): Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Jahrbuch 2022, Gommern 2023, Seite 12-31. 3 = Dazu siehe Larissa Ullmann: Das Sobjekt. Mögliche Beziehungen zwischen Mensch und Maschine aus einem phänomenologischen Blickwinkel, in: Alexander Friedrich / Petra Gehring / Christoph Hubig / Andreas Kaminski / Alfred Nordmann (Hg.): Jahrbuch Technikphilosophie, Band VIII (Kunst und Werk), Baden-Baden 2022, Seite 195-213 (anwendbar auch für die Adelsforschung, da adelskonnotierte Dinge und Materialitäten in diesem Konzept als handlungstragende und agencybesitzende „Sobjekte“, mithin als Mischung aus „Objekt“ und „Subjekt“, gesehen werden können); Schlie, Heike: Object Links. Objects Link, in: Institut für Realienkunde des Mittelalters (Hg.): Object Links. Dinge in Beziehung, Wien 2019, Seite 9-17 (Aufriß zu einer in der materiellen Adelsforschung praktizierten Theorie der Dingkultur, bei dem Dinge als Objekte und Artefakte „verlinkt“ werden und in Netzwerken tätig werden, ähnlich wie in der Akteur-Netzwerk-Theorie oder bei Schatzkis Praktiken-Arrangement-Geflechten); Elisabeth Gruber: Making of Object Links, in: Ibidem, Seite 17-20 [Beispiel von Adelsrepräsentativität für das Erkennen und Sichtbarwerdenlassen von „Objektgesellschaften“ im Sinne einer Theorie der „Object Links“). 4 = Genannt werden können hier exemplarisch Karl-Heinz Spieß: Châteaux et pouvoir en Allemagne (XVe-XVIe siècles), in: Centre de Recherches sur les Origines de la Civilisation de l'Europe Moderne et Contemporaine Bordeaux / Laboratoire d'Histoire Anthropologique Le Mans (Hg.): Château et pouvoir. Xe-XIXe siècles, Bordeaux 1996, Seite 89-111 (betrifft Herrensitze unter Machtaspekten im deutschen Adel vom 15.-16. Säkulum); Oliver Auge: Zwischen Innovation und Tradition. Epigraphische Zeugnisse fürstlicher Selbstdarstellung in Mecklenburg und Pommern im 16. Jahrhundert nebst einem Exkurs zu Alter und Entstehungshintergrund des sogenannten Ratiborsteins in der Usedomer Marienkirche, in: Christine Magin (Hg.): Traditionen, Zäsuren, Umbrüche. Inschriften des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Wiesbaden 2008, Seite 55-75; Horst Wernicke: Fürstenreformation und Adel. Gedanken zur Lage und Verhalten des Adels im Herzogtum Pommern in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Regionalgeschichte, Band XV, Wien 1988, Heft Nr. 2, Seite 63; Jörg Rogge: Herrschaftsweitergabe, Konfliktregelung und Familienorganisation im fürstlichen Hochadel. Das Beispiel der Wettiner von der Mitte des 13. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts, Stuttgart 2002, IX und 457 Seiten; Walter May: Die wettinischen Schloßbauten des 15. und 16. Jahrhunderts und ihre Bedeutung, in: Reiner Groß (Hg.): Sachsen und die Wettiner. Chancen und Realitäten. Internationale wissenschaftliche Konferenz in Dresden vom 27. bis 29. Juni 1989, Dresden 1990, Seite 271-277; Erik Richter: Das Quedlinburger Stiftskapitel im 15. und 16. Jahrhundert. Zusammensetzung, Wandel der Besetzungspraxis, adlig-familiäre Netzwerke und die Rolle der Schutzvögte, in: Landesgeschichtliche Forschungsstelle für die Provinz Sachsen und für Anhalt / Historische Kommission für Sachsen-Anhalt Sachsen und Anhalt (Hg.): Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, Band XXXII, Halle an der Saale 2020, Seite 163-209; Martin Arnold: Adel im sächsisch-böhmischen Grenzraum. Lebenswelten im Spannungsfeld konfessioneller und politischer Gegensätze, in: Martina Schattkowsky (Hg.): Das Erzgebirge im 16. Jahrhundert. Gestaltwandel einer Kulturlandschaft im Reformationszeitalter, Leipzig 2013, Seite 281-298; Inken Schmidt-Voges: Religionsfrieden als politische Ratio. Heinrich Rantzau und die Konfessionspolitik der schleswig-holsteinischen Ritterschaft im 16. Jahrhundert, in: Olga Weckenbrock (Hg.): Ritterschaft und Reformation. Der niedere Adel im Mitteleuropa des 16. und 17. Jahrhunderts, Göttingen 2018, Seiten 171-190; Tatjana Niemsch: Reval im 16. Jahrhundert. Erfahrungsräumliche Deutungsmuster städtischer Konflikte, Frankfurt am Main 2013, 275 Seiten (betrifft im sechsten Kapitel auch Konflikte des Stadtadels mit anderen städtischen Gruppen ab Seite 164); Emilian von Źernicki: Der polnische Klein-Adel im 16. Jahrhundert, Hamburg 1907, 150 Seiten. 5 = Dazu siehe Nomen Nescio: Heines Reisebilder, Band III, Hamburg 1828, 411 Seiten; darin auf Seite 58-59 Heinrich Heines vielzitierter Ausspruch: „Ja, mich dünkt zuweilen, der Teufel, der Adel und die Jesuiten existiren nur so lange, als man an sie glaubt. Vom Teufel konnten wir es wohl ganz bestimmt behaupten, denn nur die Gläubigen haben ihn bisher gesehen. Auch in Betreff des Adels werden wir im Laufe einiger Zeit die Erfahrung machen, daß die bonne société aufhören wird die bonne société zu seyn, sobald der gute Bürgersmann nicht mehr die Güte hat, sie für die bonne société zu halten.“ 6 = Nach Latour (2010) gäbe es keine Gruppen, sondern nur Gruppenbildungen, weil „soziale Aggregate nicht Gegenstand einer ostensiven Definition sind, […], sondern nur einer performativen Definition“ sein könnten. Zitiert nach Bruno Latour: Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft. Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2010, Seite 62. 7 = Dazu notierten Marita Blitzko-Hoener / Marja Weiser: Soziale Ungleichheit und Geschlecht: Zur Situation von Frauen im Alter, in: Gabriele Kleiner (Hg.): Alter(n) bewegt. Perspektiven der Sozialen Arbeit auf Lebenslagen und Lebenswelten, Wiesbaden: Springer VS 2012, Seite 144: „Der Begriff der Lebenswelt (vgl. u.a. auch Husserl) steht in engem Bezug zum Begriff der Lebenslage (vgl. u.a. Amann), beide sind jedoch voneinander abzugrenzen. Nach Callo unterscheiden sich die beiden Begriffe dahingehend, dass Lebenswelt als ‚Konstrukt des Subjekts und seiner Subjektivität‘ zu verstehen ist, Lebenslage dagegen als ‚Konstrukt der Verhältnisse.‘“ 8 = Zur Lösung dieser adelstheoretisch unbefriedigenden Probleme siehe Claus Heinrich Bill: Falscher Adel oder Situativadel? Ein Fall aus Itzehoe 1889 in adelstheoretischer Sicht, in: Vivian Vierkant / Esther Wrobbel (Hg.): Steinburger Jahrbuch 2026, Band LXX (Auf den Spuren des Adels), Itzehoe 2025, Seite 120-127 (Vorstellung der neuen Adelstheorie „un/doing nobility“ anhand eines Einzelfalles). 9 = Zur Endnote 75 auf Seite 33 läßt sich ergänzen noch hinferner Joachim Neumaier: Adelige Söldner aus Jagsttal und Bauland im Expeditionsheer Kaiser Karls V. gegen Algier (1541), in: Der Wartturm. Heimatbeilage des Vereins Bezirksmuseum Buchen, Band LXIV, Buchen 2023, Heft Nr. 2, Seite 15-19; Arend Mindermann: Adel in der Stadt des Spätmittelalters. Göttingen und Stade 1300 bis 1600, Bielefeld 1996, X und 499 Seiten; Julian Jachmann: Söldnerführer und Agrarunternehmer. Schloßbauten des Niederadels, in: Michael Bischoff (Hg.): Schlösser der Weserrenaissance, Stuttgart 2008, Seite 22-27; Johannes Voigt: Namen-Codex der deutschen Ordensbeamten, Hochmeister, Landmeister, Großgebietiger, Komthure, Pfleger, Hochmeister-Kompane, Kreuzfahrer und Söldner-Hauptleute in Preußen (Der Ritteroden St. Mariä des Deutschen Hauses zu Jerusalem in Preußen), Königsberg 1843, XXVI und 138 Seiten; Andreas Z´Graggen / Franzen, Barbara / Arnold, Ruedi / Bohren, Vera: Adel in der Schweiz. Wie Herrschaftsfamilien unser Land über Jahrhunderte prägten, Zürich 2018, 232 Seiten; Roberto Biolzi: Der Militärdienst des savoyischen Adels im Spätmittelalter. Treue Gefolgsleute oder Kriegsunternehmer?, in: Philippe Rogger / Regula Schmid (Hg.): Miliz oder Söldner? Wehrpflicht und Solddienst in Stadt, Republik und Fürstenstaat 13.-18. Jahrhundert, Leiden / Boston / Singapore / Paderborn 2019, XI und 282 Seiten; Nathalie Büsser: Adel in einem Land ohne Adel. Soziale Dominanz, Fürstendienst und Verwandtschaft in der schweizerischen Eidgenossenschaft (15.-18. Jahrhundert), Zürich 2020, 379 Seiten; Michael Weise: Adlige Kroatenobristen als Militärunternehmer. Fallstudien aus dem Dreißigjährigen Krieg, in: Annette C. Cremer / Alexander Jendorff (Hg.): Decorum und Mammon im Widerstreit? Adeliges Wirtschaftshandeln zwischen Standesprofilen, Profitstreben und ökonomischer Notwendigkeit, eidelberg 2022, Seite 297-325 (betrifft anhand von drei Fallbeispielen den adeligen Wirtschafts-Typ „Military Enterpriser“); Benjamin Ryser: Zwischen den Fronten. Berner Militärunternehmer im Dienst des Sonnenkönigs Ludwig XIV., Zürich: Hier und Jetzt 2021, 367 Seiten; Rogger, Philippe / Hitz, Benjamin (Hg.): Söldnerlandschaften. Frühneuzeitliche Gewaltmärkte im Vergleich, Berlin 2014, 272 Seiten (Beiheft XLIX der Reihe "Zeitschrift für Historische Forschung", betrifft auch adelige Söldnerunternehmer, Militärunternehmer, Kriegsunternehmer, Söldnerführer, jeweils vom 14. bis 17. Säkulum); Kunze, Wolfgang: Welfenross und schwarze Reiter. Herzog Erich II. von Braunschweig-Lüneburg, Militärunternehmer in der Epoche Philipps II., Hannover: Hahnsche Buchhandlung 2012, 429 Seiten; Sophie Cassagnes-Brouquet / Bernard Doumerc: Les Condottieres. Capitaines, Princes et Mécènes en Italie XIIIe-XIVe siècle, Paris: Ellipses 2011, 550 Seiten; Lothar Höbelt: Vom militärischen Saisonnier zum Miles perpetuus. Staatsbildung und Kriegsführung im Ancien Régime, in: Thomas Kolnberger (Hg.): Krieg in der europäischen Neuzeit, Wien: Mandelbaum 2010, Seite 58-79; Brage bei der Wieden: Münchhausen, Hilmar von, Gutsherr, Militärunternehmer, in: Hubert Höing (Hg.): Schaumburger Profile. Ein historisch-biographisches Handbuch, Band I, Bielefeld: Verlag für Regionalgeschichte 2008, Seite 235-241; Daniel Schmutz: Militärunternehmer aus dem Thurgau gegen Ende des 15. Jahrhunderts, Frauenfeld: Verlag des Historischen Vereins des Kantons Thurgau 1998, 216 Seiten; Geoffrey Trease: Die Condottieri. Söldnerführer, Glücksritter und Fürsten der Renaissance, München: Callwey 1974, 253 Seiten; Fritz Redlich: The German military enterpriser and his work force. A study in European economic and social history, Band I, Wiesbaden 1964, XV und 532 Seiten (Beiheft XLVII der Reihe „Zeitschrift für Wirtschaftsgeschichte“); Fritz Redlich: The German military enterpriser and his work force. A study in European economic and social history, Band II, Wiesbaden 1965, VIII und 322 Seiten (Beiheft XLVIII der Reihe „Zeitschrift für Wirtschaftsgeschichte“); Nomen Nescio: Wie man in früheren Jahrhunderten Krieg führte, in: Düsseldorfer Sonntagsblatt. Belletristische Beilage zum Düsseldorfer Volksblatt (Düsseldorf), Nr. 13 vom 28. März 1880, Seite 2-4 (betrifft adelige Militärunternehmer vom 14.-17. Säkulum); Johannes Bühler: Deutsche Vergangenheitt. Fürsten und Ritter nach zeitgenössischen Quellen, Leipzig 1928, 449 Seiten (betrifft unter anderem Söldnerführer) und viele weitere Literaturpositionen. 10 = Zum Topos der „Verschwendung“ siehe Ulf Christian Ewert / Jan Hirschbiegel: Nur Verschwendung? Zur sozialen Funktion der demonstrativen Zurschaustellung höfischen Güterverbrauchs, in: Werner Paravicini, (Hg.): Luxus und Integration. Materielle Hofkultur Westeuropas vom 12. bis zum 18. Jahrhundert, München 2010, Seite 105-121; Evelyn Welch: Public Magnificence and Private Display. Giovanni Pontanos „De splendore“ (1498) and the Domestic Arts, in: Journal of Design History, Jahrgang 15, Nr. 4 (Approaches to Renaissance Consumption), Oxford 2002, Seite 211-221 (Analyse der erwähnten Schrift im Rahmen des Sonderheftes „Annäherungen an den Renaissancekonsum“ als Grundlegung der Legitimation der als Tugend verstandenen „spesa onorata“, der ehrenvollen „Verschwendung“, der „glänzenden“Ausgaben bzw. des Geldausgebens zur Erhaltung häuslichen Glanzes und der Distinktion beim Adel aus der Zeit der Renaissance mit große Strahlkraft auf die Eliten in ganz Europa; betrifft auch die Unterscheidung zwischen häuslich-privaten Aufwand an kostspieligen Möbeln, Tafelgeschirr, Schmuck und Kleidung einerseits und dem öffentlichen Prachtaufwand der Architektur andererseits, ursprünglich angedacht von Pontano nur als Handlungsoption für die Eliten im Königreich Neapel). 11 = Rudolf Braun: Konzeptionelle Bemerkungen zum Obenbleiben, in: Hans-Ulrich Wehler (Hg.): Europäischer Adel 1750-1950, Göttingen 1990, Seite 87-95. Braun schuf damit ein wirkmächtiges Narrativ, das auch noch fast 40 Jahre später aktuell immer wieder aufgegriffen wird und die Re-Inventionsfähigkeiten des Adels betont, beispielsweise bei Daniel Menning: Redefining nobility. Germany during the nineteenth and early twentieth centuries, in: Stichting Werkgroep Adelsgeschiedenis (Hg.): Virtus. Journal of Nobility Studies, Band XXIII, Hilversum 2016, Seite 169-186. 12 = Siehe hierzu die Webseite „Lost Places in Sachsen-Anhalt“ der Historischen Kommision für Sachsen-Anhalt gemäß Abruf vom 28. Juli 2026 auf der Webseite https://www.historische-kommission-fuer-sachsen-anhalt.de/die-kommission/projekte/lost-places-in-sachsen-anhalt. 13 = So sind im „Archivportal D“ mit Abrufdatum vom 28. Juli 2026 690 Signaturennachweise zu Gutsrechnungen mit null Digitalisaten unter der URL „www.archivportal-d.de/objekte?query=gutsrechnung“ abrufbar, aber auch Signaturenhinweise auf 1131 Jahresrechnungen auf Gütern unter der URL „www.archivportal-d.de/objekte?query=jahresrechnung+gut“ mit 27 Digitalisaten zu ermitteln. Auch bei sächsischen Arhciven lassen sich 58 Gutsrechnungen unter der URL „www.archiv.sachsen.de/cps/suche.html?q=jahresrechnung+gut“ eruieren. 14 = Dazu siehe tiefergehend Claus Heinrich Bill: Ahnengalerien des Adels, in: Institut Deutsche Adelsforschung (Hg.): Bildatlas zur deutschen Adelsgeschichte 3. Adelsgrafiken als Beitrag zur komplexreduzierten Aufbereitung von für die Adelsforschung dienlichen Theorien und Modellen, Sonderburg 2017, Seite 24-25 (betrifft eine Visualisierung des Modells von Schmitt aus dem Jahre 1937). 15 = Dazu weiterführend Siegfried Grillmeyer: Zur Symbiose von symbolischem und realem Kapital. Das Beispiel Thurn und Taxis zwischen 1800 und 1870, in: Günther Schulz / Markus A. Denzel (Hg.): Deutscher Adel im 19. und 20. Jahrhundert. Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte 2002 und 2003, Sankt Katharinen 2004, Seite 219-260. 16 = Webseite „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ unter der URL „www.gesetze-im-internet.de/gg/BJNR000010949.html“ gemäß Abruf vom 28. Juli 2026. 17 = Zum Wert von Biographien in den Geistes- und Sozialwissenschaften siehe Winfried Marotzki: Biographieforschung (qualitative), in: Uwe Flick / Ernst von Kardorff / Ines Steinke (Hg.): Qualitative Forschung, Reinbek 9. Auflage 2012, Seite 175-186 sowie Jens Flemming: Biographie, in: Manfred Asendorf / Jens Flemming / Achatz von Müller / Volker Ulrich: Geschichte. Lexikon der wissenschaftlichen Grundbegriffe, Reinbek 1994, Seite 106-107. |
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