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Neuforschungen zum Baltenadel vom 15. bis 19. JahrhundertZur Geschichte und Kultur des altdeutschen Adels in Ösel, Kurland, Livland und Litauen in der NeuzeitEs waren nicht die schmeichelhaftesten Einschätzungen, die ein Anonymus im Jahre 1850 dem baltischen Adel in den russischen Ostseeprovinzen zugedachte; im Gegenteil notierte er: „Von den anderthalb Millionen Einwohnern jener drei Länder sind allerhöchstens nur zweimalhunderttausend Deutsche, und diese kamen ursprünglich nicht mit dem Pfluge, sondern mit dem Schwerte an den rigaischen Busen und die Düna. Das Land wurde von den Deutschen nicht colonisi[e]rt, sondern lediglich erobert und ausgebeutet. Es zogen aus unser[e]m Vaterlande nur Ritter, Kaufleute und Handwerker in jenes einst so unwirthbare Land. Sie gründeten blühende Städte und bauten Burgen, aber den Boden haben sie selber nie bebaut. Der Ritter unterwarf den undeutschen Eingebor[e]nen und legte ihm zu gleicher Zeit Frohnden, Leibeigenschaft, Zehnten und Christenthum auf; der Lette oder Esthe galt ihm lediglich als eine Maschine, welche für ihn arbeitete. So hat denn freilich das Lehnwesen die Volksthümlichkeit jener alten Stämme gerettet; denn hätte man deutsche Bauern nach Livland übergesiedelt, so wäre ohne Zweifel dort ganz in derselben Weise germanisi[e]rt worden, wie in den weiten Ebenen zwischen Elbe und Weichsel, und die niedere Nationalität wäre aufgeschlürft worden und in der höher[e]n aufgegangen. So aber sind die Deutschen in den Ostseeprovinzen allerdings lange Zeit Herren gewesen, aber auch Fremdlinge und Sprenglinge geblieben, und das deutsche Wesen hat keine tiefen Wurzeln unter den Eingebor[e]nen geschlagen [...] Eine selbständige Rolle in der Geschichte haben diese Esthen und Liven niemals gespielt, sie waren immer nur leidend, duldend, gehorchend. Nicht einmal zum Bürgerthum erhoben sie sich, sondern blieben Landleute, welche immer nur für Andere arbeiteten und kaum eine bessere Stellung zu erringen vermochten, als die Neger in den amerikanischen Colonien, nur mit dem Unterschiede, daß diese letzteren das Leben viel leichter gewinnen. Was am Mississippi oder auf Cuba der Pflanzer, war Jahrhunderte und ist theilweise heute noch an der Düna der deutsche Herr. Die drei Provinzen waren Jahrhunderte hindurch ein Paradies für die nachgebor[e]nen Söhne des deutschen Adels, namentlich des niedersächsischen und westphälischen. Auch der deutsche Bürger in den Städten hatte, nach mittelalterlicher Weise, wichtige Privilegien, von denen noch einzelne, obwohl schon vielfach russisch durchlöchert, in unsere Tage hineingerettet worden sind. Nur der Landeseingebor[e]ne war ohne Rechte; für ihn gab es nur Lasten und Pflichten, während der Adel, nach dem Ausdrucke eines Zeitbuches ‚hat Privilegio und Freiheiten gehabt, nach aller Lust, Willen und Wohlgefallen.‘ Die Leibeigenschaft dauerte bis in dieses Jahrhundert hinein, und wir könnten aus der vortrefflichen Chronik Balthasar Rüssows, aus Olearius’ Reise, aus Merkels und Kohls Büchern, eine Reihe feudalistischer Gräuelscenen und menschlicher Entwürdigung aufzählen, wie sie schwerlich in irgend einem andern Lande Europas vorgekommen ist […] Der deutschredende Adel in Kurland, Livland und Esthland ist im Allgemeinen durch und durch verderbt. Er macht unser[e]n Namen keine Ehre und hat Anhänglichkeit an uns. Der deutsche Geist ist ein wesentlich freier Geist. Der baltische Adel haßt und fürchtet denselben, denn dieser ganze Adel steht auf Vorrechten und Exemtionen; er steht noch zu drei Viertheilen im Mittelalter, ist frei vom Kriegsdienste, zahlt keine Steuern, und [ist] noch völlig im Partikularismus der Kaste befangen. Die Bildung betrachtet er als ein aristokratisches Privilegium und Bürger und Bauern gelten ihm für untergeordnete Wesen. Es wird noch lange Zeit vergehen, bevor die Sonne der wahren Gesittung ihren belebenden Strahl in die Köpfe und Herzen dieser mittelalterlichen Herren sendet!“ [1] Diese durchweg kritische und abfällige Sicht auf den deutschbaltischen Adel als eine nur aufgepfropfte Elite steht indes eine andere Perspektive gegenüber, die den Adel als Kulturelite betrachtet, ohne dabei jedoch kritische Anklänge zu vermeiden. Der an sich bereits reichhaltige Forschungsstand [2] wird indes jüngst durch einen umfrangeich-voluminösen Sammelband vermehrt. Er trägt den Titel „Adelskulturen im Baltikum 15.-19. Jahrhundert. Identitäten, Konzepte, Praktiken“, wurde herausgegeben von Hans-Jürgen Bömelburg, Axel E. Walter, Siegrid Westphal, Dieter Wunder und Heide Wunder. Der Band umfaßt Beiträge einer gleichnamigen Tagung, die im Jahre 2016 von dem „Baltijos regiono istorijos ir archeologijos institutas“ (Institut für die Geschichte und Archäologie im Ostseeraum), dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg an der Lahn, der Justus-Liebig-Universität Gießen, dem Interdisziplinären Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Osnabrück und der Memeler Universität veranstaltet worden ist, besteht aus 426 Seiten, ist kartoniert verlegt worden, ist im analogen wie virtuellen Buchhandel um den Preis von 66 Euro und unter der internationalen Standardbuchnummer „978-3-87969-475-4“ erhältlich. Die enthaltenen Tagungsbeiträge sind, a conto doch eher unüblicher Verzögerungen bei der Drucklegung, leider freilich bereits ein Jahrzehnt alt, [3] nehmen aber dennoch Alleinstellungsmerkmale für sich in Anspruch, da sie sich Spezialthemen widmen. Neben einigen einleitenden Überblicksaufsätzen zur deutschbaltischen Adelshistorie (Seite 1-37), in denen es unter anderem um die Vollzüge, Strategien und Praktiken des Braun’schen „Obenbleibens“ geht, [4] befaßt sich ein erster großer Themenblock mit dem Bereich „Adel und baltische Gesellschaften“, in dem in sieben Beiträgen das oben im Zitat angerissene Verhältnis der Einheimischen und Eingewanderten vermessen wird. Als Ergebnis wird zwar angeführt, dass es durchaus, ganz im Sinne des obigen Zitats eines Anonymus´, Feindschaft zwischen Elite und Volk gegeben habe, aber auch die Perspektive des fürsorglichen, reziproken und patriarchalen Gedankens der baltendeutschen Nobilität als Intention und Verhaltensmaxime gegenüber Einheimischen zu eruieren sei.[5] Ein zweiter größerer Abschnitt (Seite 129-222) widmet sich der Thematik „Baltischer Adel nach dem Verlust der Selbstständigkeit in Selbstbehauptung und -anpassung“, umfaßt sechs Beiträge; hierbei steht der Herrschaftswechsel nach Rußland hin im Jahre 1710 im Mittelpunkt, die Anziehungs- und Abstoßungskräfte unter den neuen Herrschenden werden hier, unter anderem in politkulturellen und biograhischen Hinsichten, ausgelotet. Dem dritten großen Thema „Verflechtungen nach Polen-Litauen“ zeigen die große interkulturelle und internationale Verknüpfung, ebenso die Identitätsprägung des Baltenadels in fünf weiteren Aufsätzen (Seite 225-282). Beschlossen wird der Band vom vierten Großabschnitt mit sieben weiteren Aufsätzen zum Bereich „Europäische Kultur im Baltikum“, der nach den Einflüssen der Adelskultur fragt, so unter anderem nach Lese- und Musizierpraxis auf baltischen Landgütern des Adels. Das oft spannungsgeladene Verhältnis des eingewanderten deutschen Adels zu den Einheimischen wird dabei ebenso besprochen wie die große Kohärenz des Adels untereinander als Diaspora-Gruppenbildung, die nach und nach den Diasporagedanken verlor und eine selbstbewußte Bevölkerungsschicht mit eigener kultureller Ausprägung wurde, zu der unter anderem auch das im Baltikum weit verbreitete Phänomen der eigentümlichen Kulturpraktik der „Krippenreiterei“ aus Standessolidariät zu zählen war. [6] Die angesprochenen myrioramatischen Aspekte der in dem Sammelband präsentierten baltischen Adelshistorie reichen dabei von spezifischen Untersuchungen zu einzelnen der baltischen Landschaften bis hin zu familiären (Geschwister), entinnernden (Illegitimabkömmling), städtisch-ländlichen, Repräsentations-, Erziehungs-, religiösen und Deutschordensbezügen. In dieser großen Bandbreite ist der Erscheinen des Sammelbandes daher sehr zu begrüßen, rückt es den deutschbaltischen Adel doch wieder vermehrt in den Fokus des Interesses. Die gediegene Ausstattung vom Verlag des Herderinstituts in Marburg, ansässig auf dem Schloßberg zwischen Hensel- und Behringvilla, hervorragend finanziell zur Bewahrung deutschen Kulturerbes von der BRD versorgt, ermöglicht es nun, die vielfältigen Erkenntnisse einem breiteren Lesendenkreise zur Verfügung zu stellen, obschon man in digitalen Zeiten hätte überlegen können, eine noch schnellere und noch breitere Rezeption durch eine Open-Access-Version im PDF-Format zu ermöglichen, wie es beispielsweise bei Cremer (2022) vorbildhaft umgesetzt worden ist, [7] gerade auch, weil das Herderinstitut von Steuergeldern finanziert wird und man erwarten darf, dass die Ergebnisse der Forschung dann auch der finanzierenden Öffentlichkeit ohne weitere pekuniäre Barrieren zu Verfügung gestellt werden. Da dies indes leider nicht der Fall ist, kann nur gehofft werden, daß die Autor:innen von den verkauften Exemplaren anteilige Autor:innenhonorare ausbezahlt erhalten haben oder noch erhalten werden. Inhaltlich wird in dem Sammelband die besondere Spannung zwischen Aussagen allgemein zum baltischen Adel und individuellen Zugängen über einzelne Personen, Situationen, Kulturpraktiken, Familien oder Medien deutlich; dabei werden bisweilen auch erstaunliche Anleihen genommen in der Soziologie, so wenn in den Schlußüberlegungen von „performativen Akten“ und „Adelsformationen“ (wenn auch nicht explizit als Praxisformationen) die Rede ist (Seite 393). [8] Aber auch das im Eingangszitat genannte Verhältnis der Herrenschicht zu den noch bis 1816 leibeigenen „Undeutschen“ (Seite 401), die in sozialer Traditionsfortführung und im Habitus der jeweiligen Gruppenbildungen nach 1816 fortwirkte (Seite 402) kommt in Form der Thematiken zu illegitimen Kindern von Gutsherren und leibeigenen Mägden zur Sprache (Seite 97-110 und 403). Einige Behauptungen in Aufsätzen des Sammelbandes sind indes nur eingeschränkt gültig, so die zu angeblichen mangelnden Forschungsständen, die nicht etwa den Tatsachen entsprechen, sondern dem Mangel der Kenntnis des Forschungsstandes entsprechen. So kann man zwar mit Recht behaupten, es handelte sich beim bearbeiteten Feld um eine „in Manchem noch am Anfang stehende baltische Adelsforschung“ (Seite 5), ansonsten ist man als Lesender gut beraten, genau hinzusehen, so wenn behauptet wird, es scheine so zu sein, als wenn „die Forschergilde“ (die es freilich stets nur als imaginäre Gruppenbildung gab, gibt und geben wird) bisher wenig Interesse an dem Umstand gehabt habe, „wie die Adelsfamilien jenseits der ökonomischen und machtpolitischen Ebene funktionierten“ (Seite 97). Als „Beweis“ für diesen „Schein“ wird dann eine Fußnote präsentiert, die lediglich sieben (sic!) schrifttumskundliche Positionen umfaßt, immerhin mit der Vorbemerkung „Auswahl“ versehen. Solange aber nicht die gesamte Forschungsliteratur genannt wird oder auf sie bibliographisch verwiesen wird, kann man mit solch einer Aussage nicht hantieren. Geradezu falsch aber ist die absolut gehaltene Aussage ohne jede Ausnahme, in Studien zum deutschen Adel käme der Baltenadel nicht vor (Seite 97-98). [9] Kritisch zu sehen ist auch die veraltete Meinung, Adel sei eine „Elite“ oder eine „Gruppe“, womit konstante Verhältnisse einer Gruppenbildung suggeriert werden, die nicht dem aktuellen Forschungsstand der Adelstheorie entsprechen (Seite 8). [10] Auch der Versuchung, Mentalitätskerne des Adels, die angeblich existieren sollen, weiter zu perpetuieren, kann bedauerlicherweise in Fortführung einer Tradition ostentativer Adelsdefinition nicht widerstanden werden (Seite 10-11), obschon jede Essentialisierung beim Adel zwar reizvoll, aber letztlich irre- und nicht zielführend ist. Trotz dieser Mängel ist der Sammelband aber insgesamt ein neuer Visibilisierungsagent für die Erforschung des baltischen Adels, der weit hinausgeht über den Schimpfklatsch des 1850er-Eingangzitats und insofern viele wertvolle Erkenntnisse und Inspirationen bietet, um auch künftighin den Adel der Anrainerländer des baltischen Meeres zu erforschen, aber auch dazu in der Lage ist, darüber hinaus eine Leuchtturmfunktion wahrzunehmen. Diese Rezension erscheint auch gedruckt in der Zeitschrift für deutsche Adelsforschung und stammt von Dr. Dr. Claus Heinrich Bill (Mai 2026). Zu den Annotationen: 1 = Nomen Nescio: Die deutschen Ostseeprovinzen Rußlands, in: Barmer Zeitung (Barmen), Nr.26 vom 30. Jänner 1850, Seite 3-4. 2 = Dazu siehe aktuell Claus Heinrich Bill: Neue Adels-Bibliographie. Verzeichnis von Monographien, Sammelbänden, Aufsätzen und Zeitungsartikeln des Erscheinungszeitraums ab 1475 bis heute zum Adel in den deutschsprachigen Ländern, Sonderburg 2026 (Stand vom 26. Mai 2026), Seite 1240-1276. 3 = Der Fall erinnert an die 16 Jahre Wartezeit der Veröffentlichung der Dissertation von Marcus C. Funck: Feudales Kriegertum und militärische Professionalität. Adel in den preußisch-deutschen Offizierkorps 1860-1935, Berlin 2019, 459 Seiten (Dissertation an der Technischen Universität Berlin 2003). 4 = Rudolf Braun: Konzeptionelle Bemerkungen zum Obenbleiben. Der Adel im 19. Jahrhundert, in: Wehler, Hans-Ulrich (Hg.): Europäischer Adel 1750-1950, Göttingen 1989, Seite 87-95 (Pionierstudie mit der These, nach der es dem Adel gelungen sei, trotz erheblicher sozialer und politischer Veränderungen in der Formierungsphase der Moderne eine Elite zu bleiben); Conze, Eckart: Niedergang und Obenbleiben, in: Eckart Conze (Hg.): Kleines Lexikon des Adels, München 2005, Seite 187-188 (Definition und Umschreibung des jahrzehntelang aktuellen und von Braun ausgehenden Forschungsproblems mit der Frage, ob der Adel in der Moderne einem Niedergang unterlag oder er erfolgreich ein Obenbleiben praktizieren konnte). 5 = Mit ähnlichem Tenor siehe dazu auch die Inhalte der „Deutschbaltischen Abteilung“ innerhalb des „Ostpreußischen Landesmuseums“ zu Lüneburg in Niedersachsen. Siehe dazu Joachim Mähnert: Das Ostpreußische Landesmuseum im neuen Gewand, in: Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (Hg.): Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Band LXXIV, Hannover 2023, Heft Nr. 7/8, Seite 413-424 (Neuausrichtung des Landesmuseums nach Wiedereröffnung 2018 mit der von Adelsfamilienstiftungen und dem Verband der Baltischen Ritterschaften unterstützten und erstmals integrierten Dauerausstellung “Deutschbaltische Abteilung“ unter starker Berücksichtigung baltischer Herrensitz- und Adelsgeschichte). 6 = Dazu siehe Rudolf Hildebrand: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Band V, Leipzig: Hirzel 1873, Spalte 2327 sowie Hans Prutz: Kurlands deutsche Vergangenheit, München: Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1918, Seite 25. 7 = Annette C. Cremer / Alexander Jendorff (Hg.): Decorum und Mammon im Widerstreit? Adeliges Wirtschaftshandeln zwischen Standesprofilen, Profitstreben und ökonomischer Notwendigkeit, Heidelberg: Heidelberg University Publishing 2022, 461 Seiten. Abrufbar im Pdf-Format nach Stand vom 26. Mai 2026 unter der URL „https://heiup.uni-heidelberg.de/catalog/book/818“. 8 = Zu performativen Ansätzen, die sich gut mit der Adelsforschung kombinieren lassen, um eine dringend neue Perspektive auf den Adel überhaupt zu generieren, siehe Frank Hillebrandt: Soziologische Praxistheorien. Eine Einführung, Wiesbaden 2014, 130 Seiten (enthält auf den Seiten 102-111 unter anderem den Begriff der „Praxisformation“ für soziale Phänomene mit einer „longue durée“, die sich mithin auf den Adel als langfristig zu beobachtende Sozialgruppenbildung beziehen läßt), sowie Frank Hillebrandt: Praxistheorie, in: Georg Kneer (Hg.): Handbuch soziologische Theorien, Wiesbaden 2009, Seite 369-394. 9 = Zum Gegenbeweis reicht hier ein einziger bibliographischer Hinweis zur Falsizifizierung; es seien trotzdem mehrere erwähnt: Hermann Graf Keyserling: Das Spektrum Europas, Heidelberg 1928, 495 Seiten (betrifft in den Abschnitten „Niederlande“, „Schweden“, „Baltikum“, „Balkan“ und „Europa“ den jeweils dortigen Adel); Kersten, Marja: „Aussterben ist vornehm“. Eduard von Keyserlings degenerierter Adel im Spiegel der Natur, in: Natalie Ford / Kayla Weiglein (Hg.): Focus on German Studies, Band XXVIII, Cincinnati in den USA 2021, Seite 21-43 (Analyse der Darstellung der deutsch-baltischen Adelsgesellschaft); Nomen Nescio: Reaktionäre werden gezüchtet, in: Neues Deutschland (Ost-Berlin), Ausgabe vom 16. Januar 1949, Seite 2 (marxistisch-leninistische These, in Wyk auf Föhr würde die CDU mit der Misdroyer Hunnius-Schule für 225 baltische Jungadelige eine „faschistische Brutstätte“ finanziell unterstützen); Herle Forbrich: Herrenhäuser ohne Herren. Ostelbische Geschichtsorte im 20. Jahrhundert, München 2008, 276 Seiten (Band XVII der Reihe „Colloquia Baltica. Beiträge zur Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas“; zugleich Dissertation Universität Frankfurt an der Oder 2008; betrifft mehr als 10.000 Herrenhäuser, Parks und Gutsgebäude zwischen Elbe und finnischem Meerbusen und deren Zerstörung, Nutzung und Erhalt in transnationaler Perspektive; enthält die These von fünf Umnutzungsformen und zwei Umnutzungsstrategien; betrifft DDR, Polen und das Baltikum; Menning, Daniel: Adel und Haus. Deutungshorizonte im 19. und 20. Jahrhundert, in: Joachim Eibach / Inken Schmidt-Voges / Roman Bonderer (Hg.): Das Haus in der Geschichte Europas. Ein Handbuch, Berlin 2015, Seiten 571-588 (Kritik an Kontinuitätsfiktionen der „Haus“-Vorstellung in der älteren Adelsforschung, Versuch des überregionalen und internationalen Vergleichs für Preußen, das Baltikum und Rußland mit je ähnlichen Entwicklungen); Nomen Nescio: In der vorpommerschen Hansestadt Greifswald soll ein „Herrenhauszentrum des Ostseeraums“ entstehen, in: Kieler Nachrichten (Kiel), Ausgabe vom 12. Oktober 2020, Seite 16 (Planung einer Datenbank mit Baudaten, Besitzer, Inventar, Zeitzeugenberichten über die Nutzung der Herrenhäuser im deutschen, polnischen, russischen, baltischen und skandinavischen Raum vom 15. bis 20. Jahrhundert); Andreyev, Anatalya: The Baltic German nobility and Russia's policies in the early 20th century, in: Social sciences. A quarterly journal of the russian academy of sciences, Band XXXIX, Minneapolis 2008, Heft Nr. 3, Seite 43-53; Jonathan Powis: Der Adel, Paderborn: Schöningh 1986, Seite 48 (betrifft das Baltikum); Heinz Reif: Adel im 19. und 20. Jahrhundert, München: Oldenbourg 2. Auflage 2012, Seite 52 (betrifft das Baltikum); Ronald Gregor Asch: Europäischer Adel in der Frühen Neuzeit, Weimar / Wien / Köln: Böhlau 2008, Seite 56 (Betrifft Baltikum); Sabine Bock / Thomas Helms: Herrenhäuser. Entwicklung eines Bautyps im Ostseeraum, Band I (Die Vorgeschichte), Schwerin 2022, 291 Seiten (betrifft auch das Baltikum) et cetera. Weiteres siehe bei Claus Heinrich Bill: Neue Adels-Bibliographie, Sonderburg 2026, 2067 Seiten (tagesaktuell nach dem Stand vom 26. Mai 2026). 10 = Dazu siehe Claus Heinrich Bill: Falscher Adel oder Situativadel? Ein Fall aus Itzehoe 1889 in adelstheoretischer Sicht, in: Vivian Vierkant / Esther Wrobbel (Hg.): Steinburger Jahrbuch 2026, Band LXX (Themenband „Auf den Spuren des Adels“), Itzehoe 2025, Seite 120-127 (Vorstellung der seit 2017 entwickelten neuen Adelstheorie „un/doing nobility“ anhand eines Einzelfalles); Claus Heinrich Bill: Ereignisse von Adel in Schleswig-Holstein in adelstheoretischem Blickwinkel, in: Robert Bohn / Uwe Danker / Marie-Theres Marx / Jan Waitzmann / Jürgen Weber (Hg.): Demokratische Geschichte. Jahrbuch für Schleswig-Holstein, Band XXXIII, Husum 2024, Seite 130-138 (Vorstellung der neuesten Version der alltagskonstruktivistisch-praxistheoretisch orientierten Adelstheorie „un/doing nobility“ mit Exemplifizierung einiger schleswig-holsteinischer Einzelfälle). |
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