Unsicheres
Adelsüberleben in den Liminalitätsphasen
des 20. Jahrhunderts
Die
doppelte Weltkriegszeit als
Herausforderung für die deutsche und
niederländische Nobilität
Das Ende des Adels ist schon oft
herbeigeschrieben worden, allein realiter
doch nicht zu beobachten gewesen. Die sich
seit dem Mittelalter etabliert habende
soziale Praxisformation besteht weiterhin
auch im einundzwanzigsten Säkulum, über
mehrere Jahrhunderte und Fragilepochen
hinweg; erstaunlich war dies vor allem
deshalb, so Teile der Adelsforschung, weil
dem Adel eine große Re-Inventions-,
Anpassungs- und Transformationsfähigkeit
zugeschrieben worden ist, [1] von Fremden
wie von Standesgenossen selbst. Unkenrufe
wie vom „Ende des Adels“ aus dem Jahre
1918 seitens eines Anonymus’ klangen daher
so: „Mit dem Zerfall der früheren
Zentralstaaten in eine Reihe von
selbständigen Republiken ist nicht nur der
Glanz so vieler Kaiser, Königs- und
Fürstenkronen wie ein Lichterkranz
ausgelöscht worden, sondern auch der des
Adels verblaßt. Das Ende der Aristokratie
naht, die Adelsdämmerung ist angebrochen
und da das Beispiel der
tschecho-slowakischen Republik, die die
Abschaffung des Adels beschlossen hat,
zweifellos Nachahmung findet, wird es bald
auch in Deutschösterreich keine
vielzackigen Kronen mehr geben. Das heißt,
man spricht davon, daß die Führung der
Adelstitel nicht unter Strafandrohung
verboten werden soll, sondern daß, ebenso
wie die Prärogative des Monarchen und der
Erzherzoge aufgehoben wurden, auch der
Adel offiziell abgeschafft wird und damit
für die Behörden aufhört, zu existieren.
In Frankreich wurde sowohl der hohe Adel
der Pairs als auch der niedere Adel als
besonderer Stand durch die Revolution vom
Jahr 1789 abgeschafft und die Anfang des
XIX. Jahrhundert von Napoleon I.
neugeschaffenen Adelsklassen Prince, Duc,
Marquis, Comte, Vicomte, Baron, Chevalier,
Seigneur usw., mit denen zum Teil Majorate
verbunden waren, 1835 gesetzlich verboten.
Das hindert aber nicht, daß noch heute
zahlreiche Leute in Frankreich sich als
Comte oder Comtesse, Marquis oder Marquise
unterschreiben, wie es ihnen beliebt. Wenn
sie ohne den Adelstitel nicht leben zu
können vermeinen, legt ihnen die freie
Republik nichts in den Weg, ihrem
Namensstolz zu frönen: Vorrechte gegenüber
den übrigen Staatsbürgern besitzen sie
deshalb keinesfalls. Solche
gesellschaftliche Vorrechte werden ihnen
auch von keiner französischen Behörde
eingeräumt. Die Tschechen scheinen sich
mit der offiziellen Abschaffung des Adels
und der Einziehung der Adelsgüter nicht
begnügen, sondern auch die Führung des
Adelsprädikats unter Straf-Paragraph
setzen zu wollen. Sie sind also im
Vergleiche zu den Franzosen päpstlicher
als der Papst, radikal
antiaristokratisch.“ [2]
Doch auch wenn in vielen Ländern der Adel
nach 1918 abgeschafft oder in einen
Namensbestandteil verwandelt worden ist,
so lebte er dennoch weiter, als
„Adelskultur“, wie man behaupten könnte.
Die Frage indes, ob es ein Ende der
Adelskultur gegeben haben könnte, stellt
neuerdings auch ein Sammelband, der aus
einer internationalen Tagung von 2022
hervorgegangen ist, die auf dem „Kasteel
Twickel“ bei Delden in den Niederlanden
stattgefunden hatte. Der Titel des Bandes
lautet dementsprechend „Einde van de
Adelscultuur? Adellijke
Overlevingsstrategieën in Duitsland en
Nederland 1918-1955“, herausgegeben wurde
er von Conrad Gietmann, Simone
Nieuwenbroek, Yme Kuiper, Gunnar Teske und
Martin Schürrer. Erschienen ist das
hardcovergebundene Werk im Hilversumer
Verlag Verloren im Jahre 2024; die
einzelnen Beiträge sind teils in
englischer, teils in deutscher und teils
in niederländischer Sprache abgedruckt.
Die 359 Seiten werden außerdem mit
Illustrationen, Diagrammen und Karten
angereichert. Als Band XXI der
Schriftenreihe „Adelsgeschiedenis“
erschienen, ist das Werk unter der
internationalen Standardbuchnummer
„978-94-6455-140-2“ im analogen wie
virtuellen Buchhandel um den Preis von
39,00 Euro bestellbar.
Hervorgegangen ist der Band aus der
„Stichting Werkgroep Adelsgeschiedenis“,
einer in den Niederlanden seit 1993 sehr
rührigen und tätigen Gemeinschaft von
Adelsforschenden, die, im Gegensatz zu der
zerstreuten Adelsforschungslandschaft in
den deutschen Ländern, ein vorbildliches
und reges Leben entfaltet hat, auch die
einzigartige niederländische Zeitschrift
„Virtus. Journal of Nobility Studies“ mit
bisher 32 Jahrgängen zuzüglich einer
eigenen Schriftenreihe mit bislang 18
Bänden herausgibt, die schon viele
wertvolle Inhalte und Anregungen
bereitgehalten und die Adelsforschung auch
westwärts der niederländischen Grenze
vielfach erheblich mit inspiriert hat.
Dies liegt nicht allein daran, daß Adel
als europäisches Phänomen gedacht werden
und mithin auch international erforscht
werden kann.
Der Sammelband beinhaltet fünf
verschiedene Sektionen mit Einzelaufsätzen
zu den Bereichen „Geschichte und
Identität“, „Korporationen“,
„Nationalsozialismus und Weltkrieg“, zum
Komplex Biographie-Familie sowie zu
Schloß-Landbesitz, die sich thematisch,
wie zu erwarten gewesen ist bei solch
einem Vorhaben, breit auffächern. Neben
Ausstellungskonzeptionen (zum Ruhradel auf
den Seiten 107-121) [3] finden sich darin
auch Erörterungen von Anziehungs- und
Abstoßungstendenzen zwischen Adel und
NS-Ideologie. Eine niederländische
Einleitung (Seite 11-27) führt zu den
Sektionen und Beiträgen hin, regt
forschende Vergleiche zwischen den eher
traditionell adelsschwachen Niederlanden
und den eher adelsstarken deutschen
Ländern an. [4]
Derlei komparatistische Studien will auch
der vorliegende Band liefern, allein es
gelingt dies nur partiell. Denn für
Vergleiche hätte man auch gleiche
Entitäten untersuchen müssen. So befindet
sich ein für sich genommen
aufschlußreicher Aufsatz über die adelige
Herrensitzbautätigkeit mit der These des
Eigendenkmals zwar für Westfalen (Seite
289-311), nicht aber für niederländische
Gegenden, andererseits bekommt, um nur
noch ein weiteres Exempel zu benennen,
auch eine Darstellung über das
freiweltliche Stift Börstel (Seite
159-169) kein niederländisches Pendant an
die Seite gestellt.
Mit Spannung aufhorchen läßt ein
Aufsatztitel über die Zweitvermessung [5]
des spannungsgeladenen Verhältnisses
zwischen Adel und NS-Volksgemeinschaft als
performative und nicht ostentative
Gruppenbildung. [6]
Denkbar wäre hier die Frage der Ergänzung
und Erzeugung beider vergleichbarer
Entitäten, beim Adel durch Nobilitierung
und Geburt, bei der NS-Volksgemeinschaft
durch Geburt und Einbürgerung, deren
Begrenzung durch Ausbürgerung und
Strafgesetze aus der NS-Volksgemeinschaft
und durch strafrechtliche Entadelung sowie
Adelsverzicht beim Adel. Diese
Untersuchungen stehen indes noch aus, da
sich der Aufsatz „Stand und
Volksgemeinschaft. Der
rheinisch-westfälische Adel in der
Weimarer Republik und in der
nationalsozialistischen Herrschaft“ gar
nicht mit diesem Verhältnis beschäftigt,
sondern nur als Aufhänger für den
Zweittitelteil herausstellt (Seite
173-192). [7]
Darüber hinaus werden auch mehrfach die
Schicksale von Herrensitzen des Adels
thematisiert, die namentlich in den
Liminalitätsphasen der Zwischen- und
Kriegszeiten vielfältigen Bedrohungen und
Kulturpraktiken ausgesetzt gewesen sind
oder dafür genützt worden sind. Dazu
zählen militärische Einquartierungen,
Beschlagnahmungen, Besatzungen,
Kunstsammlungsbergungen, aber ebenso
Kunstraub, Plünderung, Zerstörung, die
Damnatio memoriae, [8] Luftangriffe und
Demolierungen (Seiten 156, 313-329,
341-355).
Insgesamt sei, so Teile der Forschung, das
Signum der Moderne die Beschleunigung,
mithin die immer raschere Abfolge
umwälzender und nachhaltiger Veränderungen
durch Erfindungen und Ereignisse, [9] mit
denen der Adel als traditionelle
Gruppenbildung und Praxisformation [10]
hantieren mußte, wenn er überleben wollte.
Dies scheint gelungen zu sein, durch jene
Re-Inventionsfreudigkeit, aber auch durch
Beständigkeit im Wandel, durch die
akzeptierte Abkehr vom Obenbleiben zur
Konzentration auf das Zusammenbleiben.
[11] Den manchmal erfolgreichen, bisweilen
auch erfolglosen Wegen und Irrwegen gehen
die im Sammelband dargestellten
Suchbewegungen von Adeligen beispielhaft
nach; sie zeigen eindrücklich, wie der
Adel versuchte sich anzupassen, dabei aber
zu bleiben wie er war. Man sieht dies auch
wieder an den Herrensitzen exemplarisch.
Ursprünglich mit viel Personal als
Mittelpunkt des landwirtschaftlichen
Lebens prägend für ganze Dörfer [12] oder
gar Regionen (wie in den Grafenwinkeln
[13] oder in Ostelbien), sind sie aktuell
im XXI. Säkulum häufig Veranstaltungsorte,
Übernachtungsherbergen, [14] Kunstmuseen,
[15] haben einen Wandel durchgemacht, sind
jedoch gerade dadurch in Teilen erhalten
geblieben. Für den Adel gilt daher wie für
jeden Unternehmer: Man muß mit der Zeit
gehen, will man am Markt bestehen,
Ignoranz gegenüber neuen Entwicklungen
führt ins Aus, die gelinde Anpassung aber
kann die Aufrechterhaltung der
Marktposition bedeuten; dem Adel ist das
vielfach gelungen. Dies ist auch eine
Erkenntnis aus dem Sammelband, so daß das
Fragezeichen im Titel „Einde van de
Adelscultuur?“ schließlich gestrichen
werden kann, denn die Kultur des Adels
bestand, durch die Anwendung
verschiedenster Transformationsweisen,
[16] auch weiterhin, kam trotz digitaler
Postmoderne nicht zu einem Ende, mündete
nicht, wie manche vermuteten, in einem
Aristozid. [17] Darauf hinzuweisen, dabei
viele neue Details preiszugeben und zu
präsentieren, ist das Hauptverdienst
dieser internationalen Publikation, die
Adel als universalgeschichtliches Phänomen
zumindest des europäischen Kontinents
versteht und weiterhin zu untersuchen
anregen möchte, auch und gerade für die
Zeit, in der es staatsrechtlich in
einzelnen europäischen Ländern teils schon
gar keinen Adel mehr gab. Hier aber in der
Betrachtung allein auf das Staatsrecht zu
zielen, wird dem Adel nicht ganz gerecht.
Diese Rezension erscheint auch gedruckt in
der Zeitschrift für deutsche
Adelsforschung und stammt von Dr. Dr.
Claus Heinrich Bill (April 2025). Zu den
Annotationen:
1 = Walter, Uwe: Aristokratische Existenz
in der Antike und der Frühen Neuzeit.
Einige unabgeschlossene Überlegungen, in:
Hans Beck / Peter Scholz / Uwe Wager
(Hg.): Die Macht der Wenigen.
Aristokratische Herrschaftspraxis,
Kommunikation und „edler“ Lebensstil in
Antike und Früher Neuzeit, München 2008,
Seite 367-394 (enthält ein Erstaunen über
hohes Prägungs- und Anpassungspotential
des Adels, identifiziert als
Adelskontinuitäten und
Re-Invenstionsfähigkeiten über 2000 Jahre
hinweg); Conca Messina, Silvia A. / Abe,
Takeshi: Noblemen in business in the
nineteenth century. The survival of an
economic elite?, in: Business History,
Band 64, Nr. 2, London 2022, Seite 207-225
(betrifft unter anderem adelige
Re-Inventionsstrategien in der Formierung
der Moderne und das Konzept
„Obenbleiben“); Reif, Heinz: Adeligkeit.
Historische und elitentheoretische
Überlegungen zum Adel in Deutschland seit
der Wende um 1800, in: Heinz Reif: Adel,
Aristokratie, Elite. Sozialgeschichte von
oben, Berlin / Boston 2016, Seite 323-337
(betrifft unter anderem adeliges
Renovations- und Re-Inventions-Potenzial
zum „Obenbleiben“).
2 = Nomen Nescio: Das Ende des Adels, in:
Neues Wiener Journal (Wien), Jahrgang
XXVI, Nr. 8996 vom 18. November 1918,
Seite 3.
3 = Ein Fehler in diesem Aufsatz bezieht
sich auf den Umstand, daß behauptet worden
ist, man könne durch Adoption adelig
werden (Seite 120). Eine „noblesse
d’adoption“ war jedoch historisch in
deutschen Ländern nicht ohne
Staatsgenehmigung möglich; siehe dazu
Nomen Nescio: Adel durch Adoption, in:
Bonner Volkszeitung (Bonn), Nr. 418 vom
26. November 1905, Seite 2 (Warnung vor
Zeitungsannoncen für sittenwidrige
Geschäfte der Annahme an Kindesstatt zur
Erlangung des Adelszeichens „von“ mit
Aufzählung aller zu erwartenden
Nachteile); Nomen Nescio: Über
Adoptionschwindel, in: Der Zeitungs-Bote.
Zeitung für den Kreis Mettmann (Langenberg
im Rheinland), Nr. 209 vom 7. September
1903, Seite 1 (Kritik an dem seit
Inkrafttreten des Bürgerlichen
Gesetzbuches florierenden „Scheinadel“
durch Annahme an Kindesstatt, da es
„nirgends an heruntergekommenen Baronen“
fehle); Nomen Nescio: Prinz von Anhalt
will weiter adoptieren, in: Westfalenpost
(Wetter), Ausgabe vom 2. Februar 2022,
Seite 23 (betrifft die Absicht der
Erzeugung weiterer Adoptionskaskaden über
die sechs schon vorhandenen Annahmen an
Kindesstatt hinaus durch Frédéric „Prinz
von Anhalt“, der als Hans-Robert
Lichtenberg 1979 durch Adoption seitens
Marie Auguste Prinzessin von Anhalt an den
Namen gelangte, der in der Meldung jedoch
„Adelstitel‘“ genannt wird); Bülow, Fr.v.:
Über den Erwerb eines adeligen
Familiennamens durch Annahme an
Kindesstatt nach dem Bürgerlichen
Gesetzbuch, in: Deutsche Juristenzeitung,
Berlin 1896, Seite 432; Nomen Nescio: Über
den Erwerb eines adeligen Familiennamens
durch Annahme an Kindesstatt und über den
Adelsstand nach dem neuen BGB, in:
Deutsches Adelsblatt, Jahrgang XIV, Berlin
1896, Seite 855-857; Prow, Max: Das
Reichsgericht zur Namensführung auf Grund
der Annahme an Kindesstatt, insbesondere
bei Wahlkindern adeliger Personen, in: Der
Deutsche Roland. Mitteilungsblatt des
Deutschen Rolands, Verein für
deutsch-völkische Sippenkunde zu Berlin
e.V., Jahrgang XIV, Berlin 1926, Seite
686; Bill, Claus Heinrich: Scheinadel
durch Annahmen an Kindesstatt.
Betrachtungen zum adelsrechtlichen
Phänomen der Adelsadoptionen 1919 bis 1945
(Teil 1), in: Nobilitas. Zeitschrift für
deutsche Adelsforschung, Band X, Nr. 46,
Sonderburg 2007, Seite 58-104; Claus
Heinrich Bill: Scheinadel durch Annahmen
an Kindesstatt. Betrachtungen zum
adelsrechtlichen Phänomen der
Adelsadoptionen 1919 bis 1945 (Teil 2 und
Schluß), in: Nobilitas. Zeitschrift für
deutsche Adelsforschung, Band X, Nr. 47,
Sonderburg 2007, Seite 107-134; Wienfort,
Monika: Adoption, in: Eckart Conze (Hg.):
Kleines Lexikon des Adels, München 2005,
Seite 42. Im Aufsatz über die
Ruhradelsausstellung ist zudem
unerklärlich, wieso dort (Seite 115-116)
ein Gutachten im Streit zwischen Staat und
Hohenzollernhaus diskutiert wurde, da
dabei zum Ruhradel keinerlei Bezug
erkennbar ist.
4 = Ein Fehler besteht hier darin, daß auf
Seite 20 behauptet wurde, dass die
deutsche Wiedervereinigung 1987
stattgefunden hätte; je nach Ansatzpunkt
wäre hier aber entweder 1989 oder 1990
anzusetzen.
5 = Zu Erstvermessung siehe Claus Heinrich
Bill: „Denn die neue Zeit braucht mehr als
alte Namen“. Adel/igkeit und
NS-Volksgemeinschaft, Kiel 2015, 106 Blatt
(Masterarbeit an der Fernuniversität Hagen
2015 im Fach Geschichte); Claus Heinrich
Bill: Moderne Transformationen des
Nobilitäts-Konzeptes in wandelbaren
Kongruenzen und Inkongruenzen (Teil 1/3),
in: Institut Deutsche Adelsforschung
(Hg.): Zeitschrift für deutsche
Adelsforschung, Jahrgang XIX., Folge № 92,
Sonderburg 2016, Seite 31-52; dasselbe
(Teil 2/3), in: Institut Deutsche
Adelsforschung (Hg.): Zeitschrift für
deutsche Adelsforschung, Jahrgang XIX.,
Folge № 93, Sonderburg 2016, Seite 1-52;
dasselbe (Teil 3/3), in: Institut Deutsche
Adelsforschung (Hg.): Zeitschrift für
deutsche Adelsforschung, Jahrgang XIX.,
Folge № 94, Sonderburg 2016, Seite 1-40.
Ferner siehe dazu Nomen Nescio: Paulchens
Papiere. Romanze aus Aristokratie und
Hochfinanz, in: Das Schwarze Korps.
Zeitung der Schutzstaffeln der NSDAP
(Berlin), Nr. 6 vom 3. Februar 1939, Seite
19 (Kritik an Adelsromanen „als Dokument
des Kastengeistes“ wider die
Volksgemeinschaftsidee); Schaumburg-Lippe,
Prinz Friedrich Christian zu: Wo war der
Adel?, Berlin 1934, 54 Seiten (Kritik
mehrerer Autoren am Adel, unter
Schaumburg-Lippes Führung, weil sich der
Adel nicht rückhaltlos zum
Nationalsozialismus bekenne); Ernst Lüdke:
Adel verpflichtet, in: Nachrichten für
Stadt und Land (Oldenburg in Oldenburg),
Nr. 313 vom 19. November 1937, Seite 3
(positive Reaktion auf
Schaumburg-Lippe’schen Gedanken, enthält
auch ein Plädoyer für eine Anbindung des
Altadels an die
„Volksgemeinschafts“-Idee); W., O.G.v.:
Adel und Volksgemeinschaft, in: Deutsches
Adelsblatt, Jahrgang XLI, Berlin 1923,
Seite 217-219; Teiber, August E.:
Entarteter Adel, in: Völkischer Beobachter
(Wien), Nr. 157 vom 5. Juni 1944, Seite 2
(detaillierte Pejorativkritik am rund
4.000 Familien umfassenden Ungarnadel, der
degeneriert und arbeitsscheu sei; enthält
auch ein Plädoyer für die Adelsintegration
in die „Volksgemeinschaft“).
6 = Dazu siehe Claus Heinrich Bill: Adel
als performative Gruppe (Modell Latour
2010), in: Institut Deutsche
Adelsforschung (Hg.): Bildatlas zur
deutschen Adelsgeschichte 6. Adelsgrafiken
als Beitrag zur komplexreduzierten
Aufbereitung von für die Adelsforschung
dienlichen Theorien und Modellen,
Sonderburg 2019, Seite 26-27 (aus der
Serie Adelsgrafiken hier die Nr. AdGraf
137).
7 = Dies korrespondiert mit der größeren
Analyse des Autors der Artikels namens
Horst Conrad: Der lange Abschied von der
Macht. Adel in Westfalen 1800-1970,
Münster 2021, 317 Seiten (Band III der
Reihe „Regionalgeschichte kompakt“). Ein
Fehler im Aufsatz besteht auf Seite 179
jedoch darin, daß behauptet worden ist,
die Deutsche Adelsgenossenschaft habe eine
Person aus „dem Adelsstand“
ausgeschlossen. Dies war indes nicht
möglich, erstens weil es einen
staatsrechtlichen Adelsstand seit 1919
nicht mehr gab und zweitens, weil die
Genossenschaft über keinerlei Befugnis
verfügte, solch einen Ausschluß
durchzusetzen. Gemeint war möglicherweise
der Ausschluß aus der Adelsgenossenschaft
als Organisation, was aber nicht identisch
ist mit der Exklusion aus der
Erinnerungsgemeinschaft des historischen
Adels. Zur Adelsgenossenschaft als
Organisation siehe überdies Fricke, Dieter
/ Rößling, Udo: Deutsche
Adelsgenossenschaft 1874-1945, in: Fricke,
Dieter (Hg.): Lexikon zur
Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und
kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in
Deutschland 1789-1945, Band I, Leipzig
1983, Seite 530-543. Zur Ausschlüssen aus
der Adelsgenossenschaft siehe fernerhin
ergänzend Claus Heinrich Bill:
Separierungen in der Deutschen
Adelsgenossenschaft. Zur Typologie von
freiwilligen und erzwungenen Austritten
Adeliger zwischen 1874 und 1945 (Teil 1
von 3), in: Nobilitas. Zeitschrift für
deutsche Adelsforschung, Band XIII, Nr.
63, Sonderburg 2010, Seite 195-208; Claus
Heinrich Bill: Separierungen in der
Deutschen Adelsgenossenschaft. Zur
Typologie von freiwilligen und erzwungenen
Austritten Adeliger zwischen 1874 und 1945
(Teil 2 von 3), in: Nobilitas. Zeitschrift
für deutsche Adelsforschung, Band XIII,
Nr. 64, Sonderburg 2010, Seite 222-260;
Claus Heinrich Bill: Separierungen in der
Deutschen Adelsgenossenschaft. Zur
Typologie von freiwilligen und erzwungenen
Austritten Adeliger zwischen 1874 und 1945
(Teil 3 von 3), in: Nobilitas. Zeitschrift
für deutsche Adelsforschung, Band XIV, Nr.
65, Sonderburg 2011, Seite 276.
8 = Ruth Möller: Vivo o Morto. Gefälschte
Wahrheit. Christian von Pentz und die
Verdammung des Andenkens, in: Vivian
Vierkant / Esther Wrobbel (Hg.):
Steinburger Jahrbuch 2026, Band LXX (Auf
den Spuren des Adels), Itzehoe 2025, Seite
173-205 (betrifft memoriale Deklaration
als „Damnatio memoriae“ sowie Entinnerung
eines Generals und Randseiters als
„Südenbock“ für militärische Niederlagen,
die auf Seite 200-201 in origineller Weise
auch als „Personenwüstung“ bezeichnet
wird).
9 = Jahn, Barbara: „Eine Klasse, die von
Rechts wegen keine mehr sein sollte“. Der
Adel in der frühen Bundesrepublik, in:
Markus Raasch (Hg.): Adeligkeit,
Katholizismus, Mythos. Neue Perspektiven
auf die Adelsgeschichte der Moderne,
München 2014, Seite 287; Funck, Marcus:
Schock und Chance. Der preußische
Militäradel in der Weimarer Republik
zwischen Stand und Profession, in: Heinz
Reif (Hg.): Adel und Bürgertum in
Deutschland II. Entwicklungslinien und
Wendepunkte im 20. Jahrhundert, Berlin
2001, Seite 144; Reif, Heinz: Einjleitung,
in Heinz Reif: Adel, Aristokratie, Elite.
Sozialgeschichte von Oben, Berlin 2016,
Seite 75.
10 = Hierzu weiterführend Frank
Hillebrandt: Soziologische Praxistheorien.
Eine Einführung, Wiesbaden 2014, 130
Seiten (enthält auf den Seiten 102-111
unter anderem den Begriff der
„Praxisformation“ für soziale Phänomene
mit einer „longue durée“, die sich mithin
auf den Adel als langfristig zu
beobachtende Sozialgruppenbildung beziehen
läßt).
11 = Marburg, Silke / Matzerath, Josef:
Vom Obenbleiben zum Zusammenbleiben. Der
Wandel des Adels in der Moderne, in:
Walther Schmitz / Jens Stüben / Matthias
Weber (Hg.): Adel in Schlesien, Band III
(Adel in Schlesien und Mitteleuropa.
Literatur und Kultur von der Frühen
Neuzeit bis zur Gegenwart), München 2013,
Seite 299-311.
12 = Beispielhaft zu sei verwiesen auf
Jirí Kubeš: Die Dienerschaft der
Aristokraten in den böhmischen Ländern in
den Jahren 1550-1750, in: Anna Fundárková
/ István Fazekas (Hg.): Die weltliche und
kirchliche Elite aus dem Königreich Böhmen
und Königreich Ungarn am Wiener Kaiserhof
im 16.-17. Jahrhundert, Wien 2013, Seite
273-299 (betrifft stellvertretenden Konsum
durch Domestikenhaltung und die soziale
bzw. personale Adels-Umgebung durch
angestellte Nichtadelige).
13 = Dazu siehe Secker, Bettina: August.
Ein Leben auf dem Lande, Bremen:
Schmalfeldt 1979, 45 Seiten [betrifft auf
Seite 40 bei der Schilderung eines
Landarbeiterlebens auf einem Landgut der
ostholsteinischen „Grafenecke“ das „Pathos
der Distanz“ von unten gegenüber dem Adel
als Verhaltensstandart mit der Aussage
„Auch der Gutsbesitzer ist ihm fremd. Das
Herrenhaus hat August nur einmal in seinem
Leben betreten … Der Gutsherr hat August
nie besucht. Er hält mit seinen Leuten …
Kontakt über den Inspektor oder die
Sekretärin. ‚Das war immer schon so‘, sagt
August. ‚Das sind eben die
Herrschaften.‘“); Hellmut von Gerlach: Von
rechts nach links. Der Lebensgang eines
Junkers. Bei den Grafen Ostholsteins, in:
General-Anzeiger für Dortmund und das
gesamte rheinisch-westfälische
Industriegebiet (Dortmund), Nr. 325 vom
25. November 1931, Seite 7 (betrifft unter
anderem die politisch konservativ
orientierte „Grafenecke der sonst so
bäuerlichen Provinz Schleswig-Holstein“
mit den Grafenfamilien Rantzau, Reventlow,
Bülow und Ahlefeldt); Nomen Nescio: Auf du
und du mit Schlössern und Herrenhäusern,
in: Bonner General-Anzeiger (Bonn),
Ausgabe vom 25. Juli 1991, Seite 14
(betrifft den ostholsteinischen
„Grafenwinkel“ als Herrenhauslandschaft);
Maike Wegner: Warum das Hinterland
Grafenwinkel genannt wird. Im Binnenland
liegen etliche Schlösser und Güter, die zu
dem Spitznamen führten, in: Lübecker
Nachrichten (Ostholstein-Nord) vom 31.
August 2024, Seite 14 (betrifft die
„Region, die sich von Ostholstein bis an
die Hohwachter Bucht zieht“ und die Güter
Sierhagen, Redingsdorf, Stendorf, und
Hasselburg).
14 = Silke Voß: So begann die lebendige
Gutshausszene im Nordosten. Ende der 90er
begann ein „verrücktes“ Paar, einen
„Schandfleck“ zu entrümpeln. Heute lockt
die barocke Zauberwelt ein internationales
Gästepublikum und Hochglanzmagazine, in:
Schweriner Volkszeitung (schwerin) vom 20.
Mai 2024, Seite 20 (betrifft ehemalige
Adelsitze); Silke Voß: Wessis, Landadel,
normale Leute. Wer sind diese
Gutshausretter? Niemand müsse mit den
neuen Gutshausbesitzern eine
Refeudalisierung fürchten, räumt
Schlossmakler Manfred Achtenhagen mit
Ängsten auf und erklärt, wer sich auf dem
Land engagiert, in: Nordkurier (Strelitzer
Zeitung) vom 8. August 2024, Seite 14
(betrifft die von Ostdeutschen
artikulierten Ängste vor „Allüren von
erzkonservativen Grafen, die ‚die gute
alte Zeit‘ wiederhaben wollen“ und die
diese Befürchtung zurückweisende
Achtenhagen‘sche Aussage, daß der Adel nur
zu den Anteilen unter den
„Gutshausrettern“ zu finden sei, wie er
auch schon in der Bevölkerung vertreten
wäre; daher nicht überproportional).
15 = Jürgen Julier / Hans Joachim
Giersberg: Museumsschlösser und
Schloßmuseen. Die dritte Wiedergeburt der
preußischen Schlösser als Kulturinstitut,
in: Museumspädagogischer Dienst Berlin
(Hg.): Museumsjournal. Ausstellungen in
Berlin und Potsdam, Band VII, Berlin:
Kulturprojekte Berlin GmbH 1993, Heft Nr.
2, Seite 30-32.
16 = Dazu siehe Schlögl, Rudolf:
Hierarchie und Funktion. Zur
Transformation der stratifikatorischen
Ordnung in der Frühen Neuzeit, in: Marian
Füssel / Thomas Weller (Hg.): Soziale
Ungleichheit und ständische Gesellschaft.
Theorien und Debatten in der
Frühneuzeitforschung, Frankfurt am Main
2011, Seite 47-64; Kink, Barbara: Die
Transformation der adeligen Elite in der
Umbruchzeit im Kurfürstentum und
Königreich Bayern, in: Marco Bellabarba
(Hg.): Eliten in Tirol zwischen Ancien
Régime und Vormärz, Innsbruck 2010, Seite
93-109; Glassheim, Eagle: Noble
Nationalists. The Transformation of the
Bohemian Aristocracy, Cambridge in
Massachusetts 2022, 316 Seiten (betrifft
den Wandel böhmischer Adelsidentität vom
Aufstieg der Massenpolitik im späten 19.
Jahrhundert bis zum Fall des Eisernen
Vorhangs nach dem Zweiten Weltkrieg, Suche
nach eigenem Platz in der
nachrevolutionären Ordnung nach 1918,
Verbündung mit tschechischen und
deutschnationalen Parteien); Historische
Kommission für Sachsen-Anhalt (Hg.): Wege
übers Land. 15. Tag der
sachsen-anhaltinischen Landesgeschichte am
26. und 27. September 2025 in Halberstadt,
Magdeburg 2025, 2 Seiten (Faltkarton mit
Ankündigung von Vorträgen, unter anderem
von Vicky Rothe zu „Das Gut Wittenmoor in
den Stürmen der Zeit. Die
Transformationsprozesse des 19. und 20.
Jahrhunderts auf einem Adelsgut“, von Ralf
Lusiardi zu „Öffentlich oder privat?
Transformationen des 19. und 20.
Jahrhunderts im Brennglas der
Adelsarchive“, von Andrea Himpel zu „Der
Kampf um Land und Schloßinventar.
Reprivatisierung und Restitution nach der
Wiedervereinigung“ sowie von Felix
Schneider zu „Geschichte statt
Geschichten. Mediale Selbstinszenierung
zurückkehrender Gutsbesitzer nach
Sachsen-Anhalt“). Zur Theorie siehe
fernerhin Hartmut Böhme / Lutz Bergemann /
Martin Dönike / Albert Schirrmeister /
Georg Toepfer / Marco Walter / Julia
Weitbrecht (Hg.): Transformation. Ein
Konzept zur Erforschung kulturellen
Wandels, München / Paderborn 2011, 242
Seiten (enthält auf den Seiten 165-174
zwei verschiedene allelopoietische Modelle
gegenseitiger kultureller Erzeugung, auch
anregend für die Adelsforschung).
17 = Ellis Archer Wasson: Aristocracy and
the modern world, Basingstoke 2006, VIII
und 296 Seiten (betrifft den europäischen
Adel im 19. und 20. Jahrhundert; enthält
Definitionen von Aristokratie und
Ausführungen über Adel in der Zeit des
Ancien Regime, Wohlstand, Ehre, Kultur,
„Swallowing the Toad: Meeting the Middle
Classes“, Krise des Adels in der Moderne,
lokale und politische Adelsmacht, auch den
„Aristozid“ – hier genannt „Aristocide
1917-1945“ – in der nachmonarchischen
Zeit, Ausblick über den Adel 1945-2000,
mit einer angehängten Bibliographie).
|
|
|