Institut Deutsche Adelsforschung
Gegründet 1993
Online seit 1998

Start | Sitemap | Tipps | Anfragen | Publikationen | Neues | Über uns | AGB | Impressum

FAQ´s -Frequently asked questions

Häufig gestellte Fragen und unsere Antworten

1. Welche Adelrangfolgen gab es?

Als höchste politische Würde wurde der Titel Kaiser vergeben oder angenommen. Es gab ihn schon im römischen Weltreich, wo er eigentlich zuerst ein Personenname des Julius Cäsar war, den die Römer und dann die Griechen "Kaisar" nannten. Da das römische Reich ein Weltreich war, verband man mit dem Begriff auch eine Weltmacht. Nach Erlöschen der römischen Macht in Europa wurde das Kaisertum im Jahre 800 von den Franken wieder aufgenommen. Bis heute hat sich der Begriff gehalten, in Deutschland gab es bis bis 1918 einen "Deutschen Kaiser". Er gehörte zur Gruppe des Hochadels und der Fürsten.

In der Rangfolge an nächster Stelle stand in der Fürstengruppe der König, vom althochdeutschen "Chunni" abgeleitet, was soviel wie "Geschecht" bedeutet. Der König war Oberhaupt eines Stammes und wurde bei allen germanischen Völkern erblich. In der Geschichte stritten sich weltliche (Kaiser) und geistliche (Papst) Herrscher um das Recht, den Königstitel zu verleihen. In Deutschland gab es zuletzt (1918) fünf Könige, nämlich die  von Bayern, Preußen, Sachsen und Württemberg. Der König hatte gegenüber den übrigen Fürsten den Vorzug gewisser Privilegien (Anrede "Euere Majestät") und er konnte auch selbst adeln.

Dann folgt - ebenfalls in der Fürstengruppe - der Herzog, abgeleitet vom lateinischen Wort "dux". In Germanien ursprünglich ein erwählter Heerführer. Später wurde er im Frankenreich als Mittler zwischen königlicher Gewalt und den Grafen eingesetzt, mehrere Grafschaften wurden unter einem Herzog vereinigt. In Deutschland gab es mehrere Herzog- und auch Großherzogtümer bis 1918, die ebenfalls das Recht hatten, zu adeln.

Schließlich gehört zur Gruppe der Fürsten noch der einfache Fürst, abgeleitet vom althochdeutschen "furisto", das ehemals den Obersten oder Führer eines politischen Verbandes bezeichnete. Man unterscheidet geistliche (Erzbischöfe, Bischöfe) und weltliche Fürsten (hierzu zählen auch Mark- und Pfalzgrafen sowie Kurfürsten, die das Recht hatten, den Kaiser zu wählen). Seit 1918 regiert in Deutschland kein Fürstenhaus mehr, aber viele existieren noch.

Als nächstes kommt der Graf, der anfänglich mit den Fürsten gleichgestellt, später aber ihnen untergeordnet wurde und ursprünglich von einem Kömig oder Fürsten als dessen Beamter ernannt und durften dafür Land nehmen oder erhielt für seine Dienste besondere Vorrechte. Verwaltungsbezirke unter Grafen nannte man Grafschaften. Später wurde der Titel Graf verliehen, ohne daß daran ein Amt gebunden war.

Dann folgt der Freiherr, im Mittelalter auch Edelherr genannt, ursprünglich die Bezeichnung eines "wahrhaft freien Mannes" im Gegensatz zum abhängigen Bauern. Später wurde der Titel als Adelsrang verliehen, namentlich in Österreich, weniger in Norddeutschland. Im späten Preußen bis 1918 war ein gewisses Vermögen und Einkommen an die Verleihung des Titels geknüpft. Der Freiherr ist der letzte titulierte Adelige.

Auf einer Zwischenstufe zwischen titulierten und untitulierten Geschlechtern stehen die Ritter und die Edlen, wobei man in Österreich diese Gruppe auch mit der kommenden - dem untitulierten Adel - zusammenfaßt. Diese Adelsbezeichnungen wurden vornehmlich in Süddeutschland und in Österreich verliehen, gelegentlich auch nur für eine Person (sogenannter "Personaladel", während der gewöhnliche Adel erblich ist für alle Nachkommen weiblichen und männlichen Geschlechts im Mannesstamm ist).

Die größte Gruppe des Adels stellen die Untitulierten, die, wie der Name schon sagt, keinen Titel besitzen. Es sind dies Familien des Niederadels, die lediglich ein "v.", ein "v. und zu", ein "zu", seltener auch ein "am" oder ein "vom" als Adelszeichen führen. Es gibt auch Adelsfamilien, die gar kein Adelszeichen führen und trotzdem adelig sind. Entstanden oft durch die Übernahme von Herkunftsbezeichnungen im Mittelalter, wurde die Bezeichnung seit dem 14.Jahrhundert durch ein Diplom bis 1918 verliehen.

2. Wie lautet der Ehrenkodex des europäischen Adels?

Im Anschluß an die Versammlung der europäischen Adelsorganisation C.I.L.A.N.E. (Commission d´Information et de Liaison des Associations Nobles d´Europe) im portugiesischen Porto verabschiedeten die offiziellen europäischen Adelsverbände am 2.September 1989 (vollständig abgedruckt im Deutschen Adelsblatt, Jahrgang XXXVII, Kirchbrak 1998, Seite 9-10) eine Resolution zum Verhaltenskodex des Adels, an dem sich im 21.Jahrhundert jeder Edelmann messen lassen muß und dem auch der deutsche organisierte Adel beigetreten ist:

In diesem "Ethischen Kodex des europäischen Adels", der auch von den deutschen Adelsverbänden unterstützt wird, empfiehlt der europäische Adel seinen Mitgliedern den persönlichen Einsatz für das Wohl einer europäischen Gesellschaft, die sich im Umbruch befindet und zwar auf drei Ebenen: Im geistig-moralischen, im familiären und im gesellschaftlichen Bereich.

Bei geistig-moralischen Werten sei es gleichgültig, welcher Religion oder philosophischen Weltanschauung der Adelige angehöre, er müsse in jedem Fall andere religiöse oder philosophische Traditionen respektieren und sich zu einem geistigen Erbe bekennen, das der Würde der Person einen hohen Stellenwert beimißt, aber jede Art von Intoleranz und Sektierertum ausschließt. Ferner soll jeder Edelmann die  Förderung der Menschenrechte unabhängig von Herkunft, sozialer Lage und Rasse verwirklichen helfen und außerdem anstreben:

  • "Kultivierung der Ehrenhaftigkeit und des Sinnes für Ehre; besonders soll darauf Wert gelegt werden, seine Verpflichtungen zu erfüllen und sein Wort zu halten.

  • Den Sinn der Freiheit [ist] darin zu sehen, Herausragendes anzustreben, Verantwortung zu übernehmen und uneigennützig zu dienen."
Die familiären Werte setzen einen weiteren wichtigen Schwerpunkt. Die Familie müsse für jeden Adeligen Ausgangspunkt der Gesellschaft sein, denn nur sie kann Dreh- und Angelpunkt erfolgreichen kontinuierlichen Wirkens zum Allgemeinwohl sein. Gepflegt werden müsse die "Schönheit der ehelichen Liebe" und die Würde der Ehe, das Ehepaar solle sich außerdem durch "verantwortliche Fruchtbarkeit" der Zukunft öffnen. Der Schutz des kulturellen Erbes, die Erinnerung an die Verstorbenen, die Erhaltung der Familientraditionen, Familiensolidarität und -sinn, Achtung zwischen den Generationen und Betätigung im Familienverband seien zu fordern.

Als gesellschaftliche Werte schälen sich aus der traditionellen adeligen Gesinnung der Wunsch heraus, leitende Funktionen auszuüben und und den Geist des Dienens aufrecht zu erhalten. Der Adel dürfe nicht der Degeneration anheimfallen, sondern müsse sich berufen fühlen, zu führen und Verantwortung für ein größeres Ganzes zu übernehmen, aber nicht um der eigenen Vorteile willen, sondern zum Wohl Aller.

Daher soll jeder Adelige Sprachkenntnisse erwerben und alle anderen Fähigkeiten und Kenntnisse, die ihn zum Führen prädestinieren. Er soll jede Mittelmäßigkeit durch professionelle Ausbildung vermeiden, eine Haltung pflegen, die sich nicht an unmittelbarem Profit und an Macht orientiert, Verantwortung aus der Geschichte entwickeln, Unternehmergeist und Mut zur Opferbereitschaft zeigen, aktiv am Aufbau Europas teilnehmen, Bürgersinn und gemeinwohlorientiertes Handeln praktizieren.

Der Erhaltung eines bestimmten Lebenstiles, beinhaltend die Sorge um das Wohlergehen Anderer, insbesondere Schwächerer, der Wahrung der Höflichkeit und Praktizierung ebensolcher Umgangsformen, der Verwurzelung in der örtlichen Gemeinde, der Verbundenheit mit Grund und Boden, dem Heimatsinn und dem berechtigten Nationalstolz müsse ferner Priorität eingeräumt werden. Bei der Berufswahl des Jungadels darf nicht auf Prestige und Verdienst, sondern muß auf den Nutzen für die Gesellschaft geblickt werden.

Ferner gehören der Umweltschutz und die Bewahrung der natürlichen Ressourcen ebenso wie die Anerkennung der positiven Rolle des Humors in der Gesellschaft (sic!) zu den Grundpfeilern adeligen Denkens, das als Vorbild für Mitmenschen wirken soll.


©  Institut Deutsche Adelsforschung - Quellenvermittlung für Wissenschaft, Familienforschung, Ahnenforschung | Seitenanfang